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::: Erste EM der Straßenzauberer - Zauberfestival in St. Wendel :::
Die Zauberer-Kollegen erhoben sich von ihren Bänken und stimmten in den großen Jubel und Beifall des Publikums ein, während Charlie Caper auf der Bühne den Siegerpokal erhielt. Der Schwede gewann die erste Europameisterschaft der Straßenzauberei in St. Wendel. Die Siegerehrung war Teil der Open-Air-Zauber-Gala, die rund 4000 Zuschauer auf dem St. Wendeler Schlossplatz erlebten.

Caper lässt Zuschauer staunen

Charlie Caper zeigte auf der mehr als dreistündigen Gala Kunststücke, mit denen er die Jury überzeugt und das Publikum am vergangenen Freitag und Samstag in der St. Wendeler Innenstadt zum Staunen gebracht hatte. So holte er eine Cola-Dose aus seinem Schuh, öffnete sie, schüttete das dunkle Zuckerwasser in ein Glas und trank es aus. "Oh, das war unhöflich von mir", sagte er auf Englisch zu Zuschauerin Andrea, die er kurz zuvor auf die Bühne gebeten hatte. Caper holte ein frisches Glas und machte sich daran, die Dose wiederherzustellen. Der Schwede entbeulte mit seinen magischen Kräften die Büchse und verschloss sie wieder. Unter ungläubigen Blicken und dem Beifall des Publikums öffnete Caper die Dose aufs Neue und füllte Andreas’ Glas mit Cola. Zum Abschluss seiner Show zauberte Caper unter Bechern Zitrusfrüchte hervor, und unter seinem "magischen Hut" lag plötzlich eine Melone. Von Caper forderte das Publikum ebenso lautstark "Zugabe" wie vom Zweitplatzierten der EM im Straßenzaubern: Tobi van Deisner.

Der größte Ballon "aller Zeiten"

Mit einem lang gezogenen "Oh" reagierten die Zuschauer, als sie der Luftballon-Modellierer wissen ließ, dass sein Auftritt auf der Gala „eigentlich schon vorbei“ sei. "Aber ich könnte noch den größten und schönsten Luftballon aller Zeiten zeigen", rief Deisner, worauf das Publikum jubelte. Mit einem Laubbläser blähte er einen Ballon auf, der schließlich einen Durchmesser von rund 1,80 Meter hatte. Unter rhythmischem Klatschen des Publikums zog sich der Magier den Riesen-Luftballon über den Kopf und kurze Zeit später steckte er mit dem ganzen Körper in der Gummi-Hülle.

Spektakuläre Gala

Einen ähnlichen Erfolg beim Publikum wie Deisner hatte Ted McKoy. Der Schotte, der mit seinem Zwirbelbart und seinem Kostüm auch in einem Harry-Potter-Film mitspielen könnte, belegte bei der EM in St. Wendel den dritten Platz. McKoy zauberte mit Hilfe des Publikums auf die leeren Seiten eines Buches bunte Zeichnungen.
Dass in der Pause kaum ein Zuschauer seinen Platz verließ, um sich den zweiten Teil der Gala nicht von einem schlechteren Platz anschauen zu müssen, zeigte, wie gut den Leuten das Programm gefiel. Denn neben den Preisträgern traten weitere Top-Künstler auf. Atemberaubend war beispielsweise die Akrobatik-Nummer, die der US-Amerikaner Noah zeigte. Die Stange in Form einer Straßenlaterne, an der er turnte, bog sich im 180-Grad-Winkel über den Köpfen der Zuschauer. Als zum Schluss alle Akteure der Gala noch einmal auf der Bühne standen, bedankte sich das Publikum mit einem Riesenapplaus für die spektakuläre Show.

Info
Die Preisträger der ersten Europameisterschaft der Straßenzauberer im Überblick: 1. Charlie Caper (Schweden), 2. Tobi van Deisner (Deutschland), 3. Ted McKoy (Schottland). Comedy-Sonderpreise gingen an: Nick Nickolas (Australien) sowie Raymond Raymondson (Frankreich).
Die Mitwirkenden der Gala, die unnachahmlich vom Comedy-Duo Linne und Riesling aus Berlin moderiert wurde: Timothy Trust & Julie, Johnny Walker, Ted McKoy, Extra Art, Tobi van Deisner, Noah sowie Charlie Caper.

(Der Artikel von Heiner Micansky ist am 10. August 2009 in redigierter Fassung in der Saarbrücker Zeitung erschienen.)


"Zauberhaftes St. Wendel" übertrifft Erwartungen
Rund 30000 Gäste strömten nach St. Wendel, um am ersten August-Wochenende 2009 das dreitätige Zauberfestival mitzuerleben. Welche Bilanz ziehen die Organisatoren der Veranstaltung?
"Ich bin sehr zufrieden", sagt St. Wendels Bürgermeister Klaus Bouillon. Die Entscheidung sei richtig gewesen, 50 000 bis 60 000 Euro in die Veranstaltung "Zauberhaftes St. Wendel" zu investieren. Die Besucher-Resonanz bezeichnet Bouillon als "überwältigend".
"Meine Erwartungen haben sich übererfüllt", sagt Organisator Georg Lauer von Gog-Concept. Nicht nur die Zahl der Besucher sei äußerst hoch gewesen, sondern auch das Niveau der Magier. In St. Wendel seien mit Nick Nickolas, Peter Wardell, Doctor Marrax sowie Europameister Charlie Caper "vier der zehn weltbesten Straßenzauberer" am vergangenen Wochenende aufgetreten. Zu den Gästen in der Stadt zählte auch Fachpublikum. So seien Zauberer aus Hamburg, dem österreichischen Bregenz oder den Niederlanden angereist, um die Auftritte der Kollegen zu sehen und sich mit ihnen auszutauschen, berichtet Organisator Lauer. Per E-Mail hätten sich Teilnehmer an der Zauber-EM bei ihm gemeldet und vom Festival in St. Wendel geschwärmt: "Alle waren begeistert von der Atmosphäre, vom Publikum sowie der Betreuung."
"Wie halte ich die Zauberer bei Laune, habe ich mich gefragt", sagt Georg Lauer, der dabei auf die Unterstützung St. Wendeler Gastronomen setzen konnte. So habe Wirt Gisbert "McGuinness" Bier im Irish Pub Lieder in "acht oder neun" verschiedenen Sprachen für die Magier gesungen und der "inoffizielle Hauptsponsor" Willi "Hippi" Maas habe Zauberern sowie Offiziellen unter anderem Leckereien in der Taparia Colonia spendiert. Aber das Festival kostet der Stadt St. Wendel nicht nur Geld, sondern bringt auch Einnahmen. Lauer: "Alle St. Wendeler Gästezimmer waren belegt." Und manche Touristen blieben gleich eine Woche in der Region, weil sie das "Zauberhafte St. Wendel" mit dem Indianer-Powwow am Bostalsee verbinden. Fans der Straßenzauberei sollten sich das letzte August-Wochenende im Jahr 2010 freihalten. Bürgermeister Bouillon: "Dann veranstalten wir für kleine und große Kinder eine Straßenzauber-Weltmeisterschaft."

(Der Artikel von Heiner Micansky ist am 14. August 2009 in redigierter Fassung in der Saarbrücker Zeitung erschienen.)

::: "Jahrmarkt der Unmöglichkeiten" auf dem St. Wendeler Zauberfestival :::
Was erwartet einen Menschen in der Zukunft? Eine Antwort gab es auf dem "Jahrmarkt der Unmöglichkeiten", den rund 2000 Leute am 9. August 2009 auf der Mott besuchten. Die Show der Illusionen und Skurrilitäten war im Rahmen des St. Wendeler Zauberfestivals zum ersten Mal in Deutschland zu sehen.

Blick in die Zukunft werfen

"Stecke deinen Kopf in die Schachtel hinein. Drücke einmal auf den grünen Knopf und achte aufmerksam auf deine Augen. Etwas Magisches wird geschehen." Klara Schöpper aus Birkenfeld befolgte die Worte, die auf dem Schild am "Tempel der Wunder" standen. Für einen Euro konnten dort Neugierige einen Blick in die Zukunft werfen. Was hatte Klara in der Box gesehen? "Einen Skelettkopf mit roten Augen", antwortete die Zwölfjährige und eilte zur nächsten Attraktion. Als sich ein anderes Mädchen in einem Zerrspiegel erblickte, rief es lachend: "Oh, wie sehe ich denn aus?"

Reise ins goldene Zeitalter der Magie

Warum amüsieren sich Jugendliche aus der Computerspiele-Generation, wie es Leute auf einem Rummel vor über 100 Jahren getan haben? "Die Menschen fühlen sich sicher in der Vergangenheit, und das 19. Jahrhundert war die goldene Ära der Magie", sagte Ismael "Civi" Civian, der Inhaber des "Jahrmarkts der Unmöglichkeiten". Die Apparate und Gegenstände, die auf der Mott zu sehen waren, habe er mit Hilfe seiner Familie selbst gebaut. Und woher nahm er die Ideen? "Beispielsweise aus einem alten Buch von James Hodges über optische Effekte", erzählte der Spanier, der ebenfalls als Magier auf dem St. Wendeler Zauberfestival auftrat. Dass nicht alles so sein muss, wie es auf den ersten Blick scheint, machte die Ausstellung an mehreren Stationen deutlich. Civi drehte an einer Holzscheibe, auf der schwarze und weiße Segmente eingezeichnet waren. Da der Spanier der Scheibe genügend Schwung gab, glaubte man auf einmal, dass sie silbern sei. "Ich mag es nicht, den Leuten die Effekte zu erklären", sagte Civi. Als Magier zeige er lieber, was zu tun sei, um die Wirkungen zu erzielen.

Neue "Unmöglichkeiten" geplant

Dass sich Jung und Alt in St. Wendel für seine Objekte interessierten, gefiel Civi, der im vergangenen Jahr den ersten Preis beim St. Wendeler Zauberfestival gewonnen hatte. Seiner Ausstellung liege ein universelles Konzept zugrunde, erklärte der Magier. So waren in St. Wendel nur ein paar Hinweis-Schilder auf Deutsch notwendig, um auf dem "Jahrmarkt der Unmöglichkeiten" Spaß zu haben. Als viertes Land nach Spanien, Frankreich und Deutschland steht Portugal auf Civis Reiseplan. In der portugiesischen Hauptstadt Lissabon werde er Ende August seine Objekte zeigen. Wenn Civi im nächsten Jahr mit seinen verblüffenden Objekten wieder nach St. Wendel kommt, dürfte sein Jahrmarkt noch größer geworden sein. Denn im kommenden November will er sich neue "Unmöglichkeiten" ausdenken.

Link
www.civi-civiac.com

(Der Artikel von Heiner Micansky ist am 11. August 2009 in redigierter Fassung in der Saarbrücker Zeitung erschienen.)

::: Seefest 2009 :::
Als das Solarboot "St. Wendeler Land" am Gonnesweiler Ufer des Bostalsees anlegte, kamen die Fährgäste gerade noch rechtzeitig. Es war kurz nach 22.30 Uhr und vor dem Staudamm hatte die spektakuläre Wasserski-Show gerade erst begonnen. Die Wellenreiter aus Nordrhein-Westfalen gehörten zu den Höhepunkten des Seefests, zu dem am 25. und 26. Juli 2009 rund 20000 Besucher kamen.

Mit 60 km/h über den See

"Oh, wie cool", rief ein Junge auf der Staumauer, als die vier "Glühwürmchen" aufs Wasser gingen. So nannte der Moderator des Ersten-Deutschen-Wasserski-Show-Teams seine vier Kollegen, die ein Motorboot über den Bostalsee zog. Die Anzüge und Boards der "Glühwürmchen" waren mit unzähligen Leuchtdioden bestückt, deren buntes Licht sich auf der Wasseroberfläche spiegelte. Die Ausrüstungen der Wasserski-Fahrer seien Spezialanfertigungen, die es nicht im Laden zu kaufen gebe, erklärte der Moderator übers Mikrofon. Riesenapplaus und -jubel prasselte auf die Wellen-Akrobaten nieder, als sie zum Höhepunkt der Show im wahrsten Sinne des Wortes ein Feuerwerk abbrannten. Während sie auf ihren Wasserskiern mit rund 60 Stundenkilometern über den Bostalsee flitzten, zischten von Rampen, die die Show-Fahrer auf ihre Rücken geschnallt hatten, Raketen in die Luft und explodierten in bunten Farben.
"Klasse", fand ein Besucher des Seefests das Erste-Deutsche-Wasserski-Show-Team und machte sich mit seiner Gruppe auf zur Bühne auf dem Staudamm, wo wenig später die Musikgruppe "Brass Machine" Stimmung machte.

Live-Musik und Leckereien

Zur gleichen Zeit spielte Supreme, eine Robbie-Williams-Tribute-Band, auf der Bühne an der Surferbasis. Während Sänger Stefan, der auch als Double des US-amerikanischen Schauspielers George Clooney auftreten könnte, Williams-Hits interpretierte, mischte er sich mit seinem Funkmikrofon unters Publikum und animierte es zum Mitgehen.
Wer an den verschiedenen Ess-Ständen vorbeischlenderte, die an den Bühnen standen, dem strömte der Duft von Pizza, Schwenker oder Popcorn in die Nase. Am Stand des Gonnesweiler Männergesangsvereins gab es Flatschniggel. Die Sänger wurden nicht nur von ihren Kollegen aus Steinberg-Deckenhardt unterstützt, sondern konnten auch auf weibliche Hilfe setzen. "Ich muss schauen, dass alles in Ordnung geht", sagte Hedwig Peters aus Gonnesweiler, während sie Flatschniggel in der Pfanne wendete. An ihrer Seite standen Werner Jost, Gerhard Kreuz und Gerhard Kollmann, die am Samstagabend zur Schicht gehörten. "Schleppend" laufe das Geschäft, sagte Werner Jost. Im Flachs fügte er hinzu: "Aber unsere Flatschniggel machen süchtig. Wer einen gegessen hat, kommt immer wieder."

Kulisse stimmte

Im Gegensatz zum Vorjahr stimmte in diesem Jahr die Kulisse des Fests wieder. Denn der Bostalsee war randvoll mit Wasser und nicht wie im vergangenen Jahr wegen der Sanierungsarbeiten am Damm auf ein paar Pfützen zusammengeschrumpft. So legte das Solarboot "St. Wendeler Land" kurz vor Mitternacht auf der Bosener Seite an. Wer von den vielen Fährgästen weiterfeiern wollte, der konnte entweder ins Festzelt am Musikpavillon gehen, wo das "Original Oberkrainer Sextett" zünftig einheizte, oder das Bosaarium besuchen. Dort tanzten viele Leute unter einer riesigen Disko-Kugel zu Neue-Deutsche-Welle-Hits.

(Der Text von Heiner Micansky ist am 27. Juli 2009 in redigierter Fassung in der Saarbrücker Zeitung erschienen.)

::: Notte Italiana am Bostalsee :::
"Die Arme nach oben. Es geht wieder los", rief Musica-é-Sänger Giovanni Burgio. Die Leute vor der Bühne des Bosaariums hörten aufs Wort und klatschten zum Rhythmus des Songs "Senza unna donna". Mit ihren Coverliedern rockte die Band "Musica é" die Notte Italiana, zu der am 11. Juli 2009 rund 1500 Feierlustige kamen.

Vino und Arancini

Da am Bostalsee nicht gerade italienische Sommertemperaturen herrschten, stieg die Notte Italiana wie die Fiesta Latina am Tag zuvor in der Eventhalle Bosaarium. Freiluft-Flair konnten die Besucher dennoch erleben. Draußen hatten Händler ihre Stände aufgebaut, die mit kulinarischen Genüssen die Gäste ins Freie lockten. "Das ist der Lieblingswein von Herbert Grönemeyer", sagte Domenico Sciascia. Der Weinhändler hielt eine Flasche Chardonnay aus Südtirol in die Höhe, an der Wassertröpfchen perlten. Grönemeyers Leib- und Magen-Rebsaft wollten auch viele Besucher der Notte Italiana kosten. Zudem ging der Prosecco Rosé gut. "Der prickelt so ein bisschen", sagte Sciascia, der nun schon zum sechsten Mal mit seinem Vino-Mobil zur Notte Italiana gekommen war. Die Vorfahren des Italo-Deutschen stammen aus Sizilien. Deshalb hatte der Bouser auch eine sizilianische Spezialität im Angebot: Arancini. Das sind Reis-Bällchen gefüllt mit Ragout. "Arancini sind auf Festen so etwas wie die sizilianische Rostwurst", erklärte Sciascia. Und deutschen Pizza-Liebhabern gab der Weinhändler auch noch einen Tipp: "In Italien trinkt man zur Pizza keinen Wein, sondern Bier. Das passt geschmacklich besser."

Star-Gast zum Anfassen

Gar nichts zu seinen Bruschetti mit Tomaten trank Thomas Keupp aus Lebach. Der Halbitaliener, der sich auch Tomaso In de Rosa nennt, war schon länger nicht in Italien und die Notte Italiana bot ihm die Möglichkeit, einen Abend nach italienischem Gusto zu erleben. Bruschetti im Akkord schob Charlo Heinemann am Stand der Bosener Donna-Anna-Pizzeria in den Ofen. Während er und seine Frau Alexandra Gäste wie In de Rosa bedienten, sang im Bosaarium Giovanni Zarella. Der ehemalige Sänger der Pop-Gruppe Brosis war der Star-Gast des Abends. Zarella überzeugte gemeinsam mit seiner Band nicht nur musikalisch, sondern präsentierte sich auch als Promi zum Anfassen. So holte er zwei Mädchen auf die Bühne, die mit ihm tanzen und italienische Fähnchen schwenken durften. Und nach der Show nahm er sich die Zeit, zahlreiche Autogramm-Wünsche zu erfüllen und sich x-mal mit Fans ablichten zu lassen. Obwohl Penelope Molitor aus Saarbrücken Zarella gar nicht kannte, schoss auch sie mit ihrem Handy mehrere Fotos vom Sänger. Molitor war zum ersten Mal auf der Notte Italiana und fand die Veranstaltung "gut".

"Funke springt über"

"Sehr zufrieden" war die Leiterin des Freizeitzentrums Bostalsee Daniela Maslan-Mayer mit dem Veranstaltungswochenende. Zur Fiesta Latina seien am Freitag rund 400 Leute gekommen, die ein "super Programm" erlebt hätten mit Samba- und Limbo-Shows, karibischer Musik und Capoeira-Tanz.
Und als die Band "Musica é" auf der Notte Italiana nach Mitternacht Stimmung im Bosaarium machte, stand auch Tomaso In de Rosa an der Bühne. Als Sänger Burgio "Volare" vorgab, stimmte der Lebacher in den Chor der Nachtschwärmer ein und brüllte zurück "Oho". An einer Plasikpalme im Bosaarium stand zu dieser Zeit Alexandra Heinemann. Sie hatte den Pizza-Stand mal verlassen, um "etwas von der Stimmung mitzubekommen". Von "Musica é" war die Bosenerin begeistert: "Bei denen springt der Funke über."

Link
www.bostalsee.de

(Der Artikel von Heiner Micansky ist in redigierter Fassung am 13. Juli 2009 in der Saarbrücker Zeitung erschienen.)

::: Gauklerspektakel am Bostalsee :::
Jongleur Marabuschki Jay holte zwei Männer aus dem Publikum auf die Bühne des Pavillons am Bostalsee. Auf Anweisung von "Miss Flames" stellten sich die Beiden nebeneinander auf, so dass sich die gebürtige Israelin auf die Oberschenkel der Herren stellen konnte. Die Feuerkünstlerin entzündete eine rotierende Fackel und ließ in einem weiten Bogen reihum Funken sprühen. Das Publikum klatschte begeistert und forderte "Zugabe". Jay war mit ihrer Fire-Fingers-Show einer der Stars des ersten Gauklerspektakels am Bostalsee, zu dem im Juni 2009 rund 7000 Zuschauer kamen.

Spektakuläre Flammenshow

Dass Jay nur einmal auf dem Entertainer-Festival auftrat, lag in der Natur der Sache. Am Samstag ging das Spektakel bis in den späten Abend. Und Dunkelheit ist der Hintergrund, den die Flammenkünstlerin für ihre spektakuläre Show braucht. Immer wieder gab es Szenenapplaus für die atemberaubenden Kunststücke von Fire Fingers. So schüttete Jay eine brennende Flüssigkeit aus einer Gießkanne auf den Boden des Pavillons. Und als aus den Lautsprecherboxen Regenprasseln zu hören war, spannte sie einen Schirm mit brennenden Fackeln auf. Beeindruckend war zudem die Feuerakrobatik von Jay, die vorwiegend in Spanien und Italien auftritt. So wirbelte die Israelin zwei brennende Bänder so schnell durch die Luft, dass man die Flammen fauchen hören konnte. Und auf einmal schien es so, als ob sie wehende Feuertücher in den Händen hielt.

Tempo-Comedy mit Samuelito

Am Stand der Bosener Donna-Anna-Pizzeria spitzte Verkäuferin Alexandra Heinemann zur Festwiese hinüber, wo "Die Buschs" das Publikum zum Lachen brachten. "Man kriegt nicht wirklich den Inhalt mit, aber die Atmosphäre ist einfach toll", sagte die Bosenerin. Sie fand, dass das Gauklerspektakel eine "Bereicherung" sei. "Gut", antwortete Heinemanns Kollege Rainer Biehl auf die Frage, wie die Geschäfte laufen. Am besten gingen Rigatoni sowie Knoblauchbaguettes. Neben dem Hotel-Restaurant Donna Anna zählten unter anderen auch die Wirtegemeinschaft Bostalsee und die Gemeinde Nohfelden zu den Sponsoren, die die Veranstaltung des Landkreises unterstützt hatten.
Dass man als Zuschauer schnell zu einer Rolle in den Programmen der 17 Straßenkünstler aus Europa und Übersee kommen konnte, diese Erfahrung machte Sascha Riebel aus Nohfelden. Eben erst hatte er sich am Donna-Anna-Stand ein Stück Pizza gekauft. Während er das belegte Fladenbrot verdrückte, schaute er sich die Comedy-Show des Schweizers Samuelito an. Der Künstler im blauen Anzug sah Riebel essen und bot ihm vor rund 200 lachenden Zuschauern unter anderem ein Eis aus Plastik an, um an die Pizza des Nohfelders zu kommen. Gleich zu einer Tänzerin machte Samuelito Janine Krieger aus Mackenrodt. Als die Rheinland-Pfälzerin zum ersten Mal vor dem Publikum die Choreographie des Comedians getanzt hatte, fragte Samuelito erstaunt: "Janine, bist du Tänzerin?" Als die 23-Jährige die Frage verneinte, sagte der Schweizer trocken: "Das sieht man." Dann zog er Janine einen Müllsack mit Löchern für Arme und Kopf über. Das war als Schutz gedacht. Denn in seiner Abschlussnummer schoss Samuelito mit einem kleinen Katapult rohe Eier durch die Luft. Als ein Zuschauer unter dem Jubel des Publikums ein Ei fing, warf sich der Comedian aus Anerkennung vor dessen Füße.

Neuauflage 2010

Das durfte man auch symbolisch verstehen. Denn die Künstler waren durch die Bank sehr angetan vom spontanen Publikum am Bostalsee und wollen nächstes Jahr wiederkommen.
Und auch Festival-Leiter Georg Lauer war mit der ersten Auflage des Gauklerspektakels "sehr zufrieden". Für das nächste Mal wünschte er sich nur besseres Wetter, damit noch mehr Leute zum Bostalsee kommen, um sich köstlich unterhalten zu lassen.

Links:
www.gauklerspektakel-bostalsee.de
www.fire-fingers.com
www.samuelito.ch

(Der Artikel von Heiner Micansky ist am 22. Juni 2009 in redigierter Fassung in der Saarbrücker Zeitung erschienen.

::: Grabungsfest im Wareswald - St. Wendeler Land :::
Ausgrabungen im Wareswald Retiarius Cerberus kannte keine Gnade. Obwohl nur rund ein Drittel der Zuschauer dafür war, die vor dem Gladiator kniende Kämpferin Provocatrix Medusa zu töten, hob der Gladiator das Schwert und visierte den Nacken der ihm unterlegenen Gegnerin an. Trotzdem er zustach, floss kein Blut. Vielmehr bedankte sich das Publikum mit einem Applaus für die gelungene Show der Gladiatoren-Gruppe Ludus Nemesis. Ihre Schaukämpfe waren Höhepunkte des Grabungsfestes im Wareswald zwischen Tholey und Oberthal, zu dem am 14. Juni 2009 rund 300 Besucher kamen.

Action und Wissensdurst

Gegenüber der gallo-römischen Ausgrabungstelle, wo einst eine antike Siedlung stand und Marpingens Bürgermeister Werner Laub sowie der Bürgermeister von Oberthal Stephan Rausch am Sonntagmorgen neue Info-Tafeln eingeweiht hatten, hatten die vier Gladiatoren von Ludus Nemesis ihre kleine Arena aufgebaut. Die Kampffläche begrenzten Strohballen. Die Zuschauer, die sich die drei Aufführungen der Gruppe anschauten, waren nicht nur fasziniert vom Klirren der Schwerter. Sie wollten auch mehr über die geschichtlichen Hintergründe der römischen Berufskämpfer wissen. "Die Gladiatoren waren Stars ihrer Zeit", sagte Provocatrix Medusa alias Svenja Grosser aus Hamburg. Da die Veranstalter für den Verlust eines Gladiators eine finanzielle Entschädigung zahlen mussten, sei in der Antike auf den Todesstoß oft verzichtet worden. Auf die Frage, warum alle Gladiatoren von Ludus Nemesis nur eine Beinschiene tragen, ging Wolfgang Müller aus Blieskastel in Kampfhaltung. Er stellte den linken Fuß mit dem Schienbeinschutz nach vorne und hielt ein Eisenschild darüber. So waren nicht nur seine Beine geschützt, sondern auch der Bauchraum sowie Herz und Lunge.

"Römer waren Zocker"

Dass es wichtig war, einigermaßen heil aus den Kämpfen zu kommen, machte ein Besuch am Stand von Oliver und Gerhild Teske klar. Die Hessen informierten über antikes Badewesen sowie antike Heilkunde. "Die Römer konnten nicht im Bauchraum operieren", sagte Oliver Teske. Entgegen landläufiger Meinung hätten sie auch nicht den Kaiserschnitt erfunden. Anschließend erklärte er, wie in der Römerzeit Blasensteine entfernt wurden.
Ein paar Schritte weiter führte Hanno Rudolphy, der Chefkoch des Tabliniums im Schaumbergbad, in die römische Kost ein. Auf dem Tisch vor ihm standen Schalen mit Getreidekörnern, die die römischen Soldaten selbst mahlen mussten. Koriander, Fenchel und Kreuzkümmel hätten die Römer auch verwendet, um streng riechendes Fleisch zu überwürzen, so Rudolphy. Wie leicht hatten es dagegen nebenan die Kinder, die auf dem Grabungsfest Stockbrot übers Feuer hielten und es nach einer Viertel Stunde essen konnten.
"Die Römer waren Zocker", sagte Dieter Blass aus Theley, der ein weißes Gewand trug. Auf einem Tisch standen unter anderem Spiele, die auch heutzutage noch bekannt sind. Beispielsweise hatten die Römer gewürfelt oder sich mit Mühle die Zeit vertrieben.

Kelten auf dem Grabungsfest

"Es muss gallo-römischer Wareswald heißen", sagte der Archäologe und Projektleiter Klaus-Peter Henz. "95 Prozent waren damals Gallier." Folgerichtig präsentierte der Freundeskreis keltischer Ringwall Otzenhausen beim Grabungsfest auch keltisches Handwerk. Aus Dudweiler war Volker Schmidt angereist. Er stellte den Kelten-Krieger Dudorix dar. Auf die Frage, warum er nicht mit den Gladiatoren kämpfe, antwortete er: "Gegen die hätte ich keine Chance."

Links
www.terrexggmbh.com
www.ludus-nemesis.eu

(Der Artikel von Heiner Micansky ist am 16. Juni 2009 in redigierter Fassung in der Saarbrücker Zeitung erschienen.)

 
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